„Freiheit heißt immer auch Verantwortung.“
Über smarte Arbeitsmodelle, ihre Chancen und Risiken.


Bei Epic Games in Berlin gehören die „Smart Working“-Prinzipien aus dem Silicon Valley längst zum Alltag. Wir sprachen mit Carlos Moreno, Community Coordinator in einem der größten und innovativsten Unternehmen der Branche.

Angefangen hat Moreno bei den Hamburger Goodgame Studios, seit 2016 betreut er jetzt von Berlin aus die Epic Games Community in Spanien und Italien. Als Brücke zwischen dem amerikanischen Unternehmen und seinen Spielern ist er zudem verantwortlich für PR, Marketing-Aktivitäten und Produkteinführungen. Mit Prindo sprach er über die Freiheiten und Gefahren des Smart Working Modells.

Arbeiten, wo und wann ich will: Klingt traumhaft. Aber was heißt das genau?

In erster Linie heißt das: Ich übernehme selbst die Verantwortung für meinen Job, inhaltlich und auch finanziell. Es ist in Ordnung, wenn ich mittags um 12 komme, und es ist auch ok, wenn ich woanders arbeite als im Büro. Mit Laptop und Smartphone bin ich zeitlich und räumlich absolut flexibel. Das gehört zum Charakter meines Jobs – und eben auch zur amerikanischen Unternehmens-Philosophie.

Vor allem aber gibt es Raum für neue Ideen. Wenn ich irgendwo echtes Potenzial sehe, heißt es: Let’s talk! Das spornt an und bringt alle weiter.

Also die Freiheit, zu machen was ich will?

Solange es das Unternehmen nach vorn bringt und ich die definierten Ziele erreiche: Ja.

Das setzt Disziplin und Eigenverantwortung voraus.

Genau, und mehr als das: Es setzt voraus, dass du genau weißt, was du tust, eine Menge Ahnung vom Metier hast und deine eigenen Fähigkeiten und Ressourcen gut einschätzen kannst. Das können nicht alle. Und sicher ist das mit ein Grund, weshalb nicht planlos eingestellt wird, sondern Bewerber wirklich auf Herz und Nieren geprüft werden.

Um zu verhindern, dass das Modell ausgenutzt wird?

Eher um zu verhindern, dass man sich irgendwann selbst ausnutzt: Es gibt eben auch keine Grenzen nach oben. Wer für seinen Job brennt, kann seine Kräfte leicht überschätzen und sich selbst zu viel Druck machen. Nehmen wir einen Job wie meinen: Da besteht natürlich immer die Gefahr, dass man 24 Stunden „on“ ist, um für die Community da zu sein. Eigentlich gut, denn ohne persönliches Engagement geht es nicht.  Aber die Idee des Smart Working ist eben auch, dass man selbst smart genug ist, seine Grenzen zu kennen.

Es geht also um die Work-Life-Balance.

Ja. Gerade amerikanische Unternehmen wie Amazon, Facebook & Co. setzen dabei stark auf Flexibilität und selbstbestimmtes Arbeiten. Man unterstützt dich mit tollen Angeboten wie Fitness-Center und so weiter, aber der Punkt ist natürlich, dass es zugleich stabile Persönlichkeiten braucht, um diese Art von Freiheit leben zu können.

In Schweden hat man dafür eine ganz andere Lösung parat.

Schweden ist ein gutes Beispiel: Das Pilotprojekt war ein 6-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich, zum Ende der Arbeitszeit wurden rigoros die Computer abgeschaltet. Alles, um dem Traum von der Work-Life-Balance ein Stück näher zu kommen! Am Ende war das Modell wohl sehr teuer, aber das Ergebnis sprach für sich – mehr Produktivität, deutlich fittere und motiviertere Mitarbeiter.

Also 6-Stunden-Tag versus amerikanische „Smart Working“-Philosophie?

Bei beiden geht es natürlich in erster Linie darum, dass die Mitarbeiter Höchstleistungen erbringen, und zwar ohne ein Burnout zu riskieren. Das amerikanische „Smart Working“-Modell wird von den Silicon Valley-Unternehmen wie Google ja schon länger gelebt: Die Leute sollen sich wohlfühlen, Job und Freizeit flexibel handhaben können und dadurch produktiver sein. Das wird unterstützt durch eine fantastische Umgebung. In solchen Unternehmen stellt die Firma eigentlich alles – vom Shopping-Center bis zum Fitness-Paradies.
Auf der anderen Seite steht ein gesteuertes System, das mit dem 6-Stunden-Tag auf eine klare Trennung von Beruf und Freizeit setzt. Nur hat man es eben nicht selbst in der Hand. Das Ziel sind hier wie dort zufriedene, leistungsfähige Mitarbeiter, die Philosophie dahinter ist aber eine völlig andere.

Was wird sich durchsetzen?

Schwer zu sagen. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass nicht jedes Modell zu jedem Unternehmen passt; auch kulturelle Fragen spielen eine große Rolle. Schweden zum Beispiel hat auch im Bereich der Arbeit eine ganz andere Historie als Amerika.

Und natürlich haben sich die Erwartungen junger Arbeitnehmer geändert.

Was sind denn die Erwartungen der jungen Generation an ihren Job?

Noch vor zehn, zwanzig Jahren waren viele bereit, für ihren Job jedes Opfer zu bringen. Die „Irgendwas-mit-Medien“-Generation hat in vielen Unternehmen und Agenturen für eine Menge Umsatz gesorgt, ohne wirklich Forderungen zu stellen. Dazu ist heute kaum mehr einer bereit: Wer einen guten Job macht, will auch gute Konditionen. Mit „Smart Working“-Modellen versucht man, sich darauf einzustellen – also Mehrwerte wie Flexibilität, größere Entscheidungsspielräume oder auch gute Freizeit-Angebote zu bieten. Die Aufgabe dieser Generation wird es sein, mit diesem Mehr auch verantwortungsvoll umzugehen.

Was ist für dich entscheidend, damit so ein Modell funktioniert?

Neben Persönlichkeiten, die sich und ihre Kräfte kennen und einschätzen können, braucht es ein Management, das die Work-Life-Balance der Angestellten im Blick hat. Ebenso wichtig: machbare und klar definierte Ziele, gutes Feedback und eine transparente Arbeitsweise.

„Smart Working“ – ein zukunftsfähiges Prinzip?

Ja, für mich ist das definitiv das beste aller gängigen Arbeitsmodelle. Man darf aber nicht vergessen, dass das alles noch relativ neu und in manchen Bereichen noch nicht zu Ende gedacht ist. Diesen Weg weiter zu verfolgen und zu entwickeln – das wird mit Sicherheit noch spannend werden.

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