China-Kopien auf Amazon: Nein, Geiz ist nicht mehr geil

Hauptsache billig: Chinesische Firmen bieten über Amazon Druckerpatronen an, die weder Patentrechte noch Recycling-Vorgaben beachten – natürlich zu Dumpingpreisen. In einem Artikel kritisierte der SPIEGEL unlängst den Online-Anbieter dafür, nichts gegen die Plagiate zu unternehmen.

Branchenpleite durch Billiganbieter?

Es geht um Patentrechte, Fälschung und Recycling-Betrug – und darum, wie die Konkurrenz aus Fernost mit unfairen Mitteln und verantwortungslosen Strategien das Geschäft kaputt macht. Europäische Anbieter von Alternativtinten und -toner, so der SPIEGEL, fürchten um ihre Einnahmen. Denn mit den Niedrigpreisen für die China-Klone können seriöse Hersteller kaum konkurrieren, selbst wenn sie verglichen mit den Originalpatronen von HP, Canon & Co. durchaus günstig sind.

China-Klone – zu günstig, um gut zu sein

Um Käufer, die immer noch gern nach dem Motto „Geiz ist geil“ bestellen (und das, obwohl Saturn den Slogan schon 2011 ersetzte), geht es im SPIEGEL nur am Rande. Und doch sind es die Verbraucher, die darüber entscheiden, was ihnen Qualität, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit wert sind, und ob tatsächlich nur noch der Preis den Ausschlag gibt.

Ob Amazon nach dem SPIEGEL-Artikel gegen die chinesischen Anbieter von Produktfälschungen vorgehen wird, ist zweifelhaft, das Verhalten der Konsumenten damit aber noch entscheidender: Weiß der durchschnittliche Käufer von Druckermaterial jedoch genug, um richtig zu entscheiden? Kennt er vertretbare Alternativen zu den teuren Markenprodukten? Welchen Anbietern kann er vertrauen?

Zäher Kampf gegen dreiste Fälscher

Das Thema ist nicht neu: Schon 2014 schätzte die Allianz der OEM-Drucker-Supplies-Hersteller den Schaden, der jährlich durch chinesische Plagiate entsteht, auf bis zu 5 Milliarden US-Dollar. Erst im vergangenen Jahr erschien im Prindo Magazin ein Artikel zu dem Problem der sogenannten China-Klone. Neben den Gefahren der Importe benennt er auch ganz konkrete Unterscheidungsmerkmale, an denen sich Konsumenten orientieren können.

Die Hersteller wehren sich schon lange: Patentrechts-Klagen und diverse strafrechtliche Verfahren sind an der Tagesordnung, durch Kunstgriffe wie implantierte Chips sollen die Produkte besser gegen Markenpiraterie geschützt werden. Ein zähes Geschäft mit vielen Rückschlägen – und so manchem stillschweigenden Kompromiss. Zum Beispiel dem zwischen Originalherstellern und alternativen Patronenproduzenten, zu denen auch Prindo gehört: „Im Großen und Ganzen (...) existierten beide Gruppen nebeneinander“, heißt es dazu auch im SPIEGEL. Stimmt. Das wirkliche Problem kam mit den anderen – chinesischen Anbietern nämlich, denen Patente, Umweltschutz und deutsches Recht herzlich egal sind.

Fairer Wettbewerb sieht anders aus

Der Gesetzgeber scheint bisher keinen unmittelbaren Handlungsbedarf zu sehen. Amazon wiederum trägt mit seinem Verhalten keineswegs dazu bei, dass Kunden die Dinge klar auseinanderhalten können: Wer nicht gut informiert ist, differenziert oft kaum zwischen seriösen europäischen Alternativtinten-Herstellern und den Anbietern aus Fernost. Einziges Unterscheidungsmerkmal ist dann der überraschend niedrige Preis – und der sollte eigentlich hellhörig machen.

Wir brauchen mündige, gut informierte Verbraucher

Dabei reagiert ein großer Teil der Käufer heute wesentlich sensibler in Hinsicht auf nachhaltigen Konsum und qualitative Unterschiede. Regionale Lebensmittel, Ökostrom und fair produzierte Kleidung gehören zum Alltag.

Darüber nachzudenken, woher die Produkte eigentlich kommen, welche Prozesse ich als Verbraucher mit dem Kauf in Gang setze und was mir Produktsicherheit wert ist, ist heute für viele selbstverständlich – und könnte es auch beim Thema Druckerpatronen sein. Vorausgesetzt natürlich, ich werde hinreichend aufgeklärt und habe Produktalternativen, die für Umwelt, Drucker und Portemonnaie gleichermaßen vertretbar sind.

Fälschungen aus Fernost – die Fakten

  • Jenseits gesetzlicher Vorgaben.                     Was die chinesischen Billiganbieter verkaufen, sind größtenteils schlicht Kopien der Originalpatronen, die ohne Rücksicht auf bestehende Patente nachgebaut werden. Europäische Hersteller von Alternativpatronen dagegen entwickeln und verkaufen kompatible Produkte unter eigenem Markennamen. Die Prindo Hausmarke ist das beste Beispiel. Häufig werden dabei Markenpatronen wiederaufbereitet – gebrauchte Originale werden professionell gereinigt, neu befüllt und damit zu umweltschonenden Recycling-Patronen. Das Problem: Die chinesischen Fälscher kopieren sogar Recycling-Kartuschen!
  • Ökologisch schädlich.                Für unsere Umwelt sind die China-Kopien hochproblematisch: Sie sind nämlich nicht recycelbar. Spätestens im System der Recyclingprogramme werden die Plagiate erkannt und aussortiert, landen also letztlich im Hausmüll. Hersteller aus Europa müssen sich dagegen an strenge Vorgaben für umweltfreundliche Produktion und Recyclingstandards halten.
  • Garantiert ohne Garantie.           Wer dank der China-Kopien Probleme mit seinem Drucker hat, steht damit nicht alleine da. Leider gibt es keinerlei Möglichkeiten, den Hersteller zu belangen. Garantien? Fehlanzeige! Alternativhersteller wie Prindo bieten dagegen ebenso wie viele Markenhersteller 3 Jahre Garantie auf ihre Produkte.
  • Billig und mehrwertsteuerfrei.               Dass viele chinesische Anbieter im Gegensatz zu den europäischen keine Mehrwertsteuer abführen, senkt den Preis der Produkte zusätzlich. Das muss zwar für Privatanwender nicht zum Problem werden, macht den Wettbewerb aber zusätzlich unfair.
  • Made in China.                   Durch die Herstellung in Fernost sind die Arbeitsbedingungen nicht überprüfbar, sie entsprechen jedoch in keiner Weise den europäischen. In Europa hergestellte Alternativpatronen sichern dagegen europäische Arbeitsplätze und die damit verbundenen Mindeststandards.

Können wir den Kreislauf durchbrechen?

Der Verbraucher bekommt auch dann die Folgen einer Billigpatronen-Schwemme zu spüren, wenn er nicht zu den Käufern zählt. Denn je mehr Fälschungen auf den Markt kommen, desto weniger Originale werden verkauft. Die Folge: Es fehlen recyclingfähige Markenpatronen, das umweltschonende Recycling-Prinzip gerät langfristig in Gefahr.

Damit steigen die Preise für Recycling-Patronen automatisch, und mehr Verbraucher greifen zu den chinesischen Billigprodukten. Ein verhängnisvoller Kreislauf also, der dem ökologischen Prinzip des Recycling schadet. Senken jedoch die Hersteller ihre Preise, um genau dies zu verhindern, werden sie die Verluste garantiert an anderer Stelle ausgleichen. Zum Beispiel, indem sie die aktuell sehr niedrigen Preise für Drucker wieder anheben.

Genauere Infos finden Sie auf Druckerpatronen entsorgen und Toner entsorgen

Die Alternativen sind da – und besser denn je

Hochwertige, verlässliche Druckerpatronen sind auch jenseits der klassischen Markenprodukte günstig zu haben – zum absoluten Schleuderpreis gibt es diese Qualität allerdings nicht: Ebenso wie in der Kleidungs- und Lebensmittelindustrie setzen viele Hersteller heute bewusst auf nachhaltige Produktionsbedingungen in Europa. Ihre Preise sind kundenfreundlich und liegen immer noch deutlich unter denen der Originalhersteller.

Im Gegensatz zu den chinesischen Anbietern können Kunden hier jedoch davon ausgehen, dass europäische Arbeits- und Qualitäts-Standards berücksichtigt und ökologische Vorgaben eingehalten werden. (Details zu Billigpatronen und was die einzelnen Produkte unterscheidet, können Sie im Artikel "Billige Druckerpatronen – was Sie über Druckertinte wissen sollten" ausführlicher nachlesen.) Seriöse Anbieter stellen zudem auf ihrer Website Informationen zu Herstellung, Herkunft und Recyclingmöglichkeiten zur Verfügung.

Bei wem liegt die Verantwortung?

Dass Amazon es auf Anfrage des SPIEGEL bei bedauernden Worten beließ und sich generell gern für nicht zuständig erklärt, zeigt das ganze Dilemma: Der Konzern übt sich in Nichtstun und überlässt die Regelung der Angelegenheit damit dem Verbraucher. Denn der kauft schließlich freiwillig – oder eben nicht.

Fair ist das nicht. Entsprechende Aufsichtsinstanzen fehlen noch immer, gesetzliche Regelungen für den Online-Markt sind dehnbar und werden von den großen Konzernen gern mal ignoriert. Die Verantwortung wird also den Konsumenten überlassen: Ob die wirklich bereit sind, auf Dauer billige, oft qualitativ fragwürdige Druckerpatronen in Kauf zu nehmen, wird sich zeigen. Dass viele von ihnen den ganzen Geiz schon lange nicht mehr geil finden, gibt immerhin Anlass zu vorsichtigem Optimismus.