Alternative Tinte - kompatible Druckerpatronen?

Nachbau, Recycling oder China-Klon - Wer an Tintenpatronen sparen will, sollte seine Alternativen kennen.

 "Kompatible Druckerpatronen" nennt sie der eine, „Alternativtinte“ der andere. Gemeint sind Druckerpatronen, die dem Original vor allem eines voraus haben: Sie sind günstiger! Gerade deshalb lohnt ein zweiter Blick: Gut zu wissen, was die Alternativen können, welche Unterschiede es gibt und warum manch billiges Angebot zwar den Geldbeutel schont, aber nicht Ihren Drucker.

Dass Drucker-Hersteller Originalpatronen empfehlen, überrascht kaum. Um zu verhindern, dass der Kunde trotzdem auf alternatives Druckerzubehör ausweicht, lassen sich Brother, Epson & Co. mittlerweile einiges einfallen. Gegen Anbieter, die Tintenpatronen bis zu 80% günstiger anbieten, ziehen sie dennoch häufig den Kürzeren. Doch gerade bei allzu günstigen Produkten ist Vorsicht geboten: Sind es neugebaute oder recycelte Patronen? Wo wird die Ware hergestellt? Wer vertreibt sie?

Bitte wählen Sie Ihr Gerät

Kompatible Druckerpatronen: Alles neu, alles besser?

Klingt zunächst nach sicherer Bank: Kompatible – also „verträgliche“ – Tintenpatronen werden komplett fabrikneu produziert, also nahezu 1:1 nachgebaut. Die Entwicklung der Patronen für die einzelnen Druckermodelle ist dabei aufwändig – schließlich unterscheiden sie sich nicht nur in der Zusammensetzung ihrer Tinte, sondern vor allem auch in der Konstruktion. Um die Patentrechte der Hersteller nicht zu verletzen, müssen die Originale eingehend analysiert und so nachgebaut werden, dass sich die Kopien nur in kleinsten Details von den Originalen unterscheiden.

Ausweiskontrolle! Patronen identifizieren sich per Chip

Treten bei der Verwendung kompatibler Druckerpatronen Probleme auf, ist nicht selten der Chip schuld: So kommt es vor, dass der Tintenstrahldrucker mit Meldungen wie „Erkennen unmögl.“ von Anfang an die Zusammenarbeit mit der Fremdpatrone verweigert. Mittlerweile sind nämlich fast alle neueren Tintenpatronen mit einem Chip ausgestattet – er ist der „Ausweis“, mit dem sich die Patrone beim Drucker identifiziert. Auf ihm sind Identifikationsdaten wie Hersteller, Seriennummer und Länderkennzeichen gespeichert.

Die Hürden für Nachbauten steigen

Als die Stiftung Warentest 2015 eine Auswahl kompatibler Alternativtinten testete, ergaben sich auffallend viele Unverträglichkeiten.

Vermuteter Grund: Die Drucker-Hersteller sichern sich durch den konsequenten Einbau der elektronischen Chips immer stärker gegen die Konkurrenz alternativer Anbieter ab. Denn die Chips erschweren den Nachbau gravierend und erfordern immer aufwändigere Analysen der Originale. Ein Aufwand, den sich heute nur noch größere Hersteller leisten können, die einiges in die Entwicklungsarbeit der Druckerpatronen investieren.

China-Klone? Diese Ersparnis kann teuer werden

Europäische Hersteller kompatibler Tinten bieten oft respektable Qualität an, denn in Hinblick auf Patentschutz und Qualität müssen sie nationalen und EU-Standards genügen. Viele der billigeren Nachbauten werden heute jedoch in China produziert.

Und hier lohnt sich der Dumpingpreis – übrigens für den Kunden der entscheidende Hinweis auf minderwertige Produkte – in den wenigsten Fällen: Die Qualität bleibt deutlich unter der deutschen Norm, schwache Druckleistung und ein schlechteres Druckbild sind an der Tagesordnung. Das betrifft die No-Name-Klone übrigens ebenso wie diejenigen, die unter dem Namen großer Drucker-Hersteller Originalpatronen fälschen – meist fragwürdige Online-Anbieter mit aggressiver Preiswerbung.

Kompatible Druckerpatronen - Alternative mit Pannen-Potential

So gut die Nachbauten auch sein können, die Füllstandanzeige scheint ein Schwachpunkt zu bleiben: Fehlermeldungen sind hier nicht selten. Wird der Leerstand zu früh angezeigt, wird vorzeitig eine neue Patrone fällig; erscheint die Warnung zu spät, ist schnelles Handeln angesagt: Im schlimmsten Fall kann der Drucker bei fortgesetztem Einsatz Schaden nehmen. Hat er dann noch Garantie, ist es oft schwierig zu beweisen, dass die Probleme NICHT auf die Verwendung von Fremdtinten zurückzuführen sind.

Der Kostenvorteil bleibt dennoch ein starkes Argument. Und noch etwas macht viele der Nachbauten attraktiv: Der Tintentank wird oft größer gestaltet als beim Original, die Tinte reicht damit länger. Im besten Fall also eine doppelte Ersparnis? Jein – denn auch hier sollte man ausschließlich auf seriöse Anbieter setzen.

Wer auf Recycling setzt, macht alles richtig

Der Vorteil recycelter Tintenpatronen beginnt dafür schon beim Herstellungsprozess: In einem aufwändigen Verfahren werden leere Originalpatronen gereinigt und industriell wieder aufbereitet. Das heißt zum Beispiel auch, dass Patronen mit Chip vom Drucker schnell als Originale erkannt werden können.

Recycling-Programme entlasten nicht nur die Deponien, sondern auch den Verbraucher – finanziell und bei der Entsorgung seiner leeren Patronen. Heute werden diese Programme von allen großen Drucker-Herstellern angeboten: Per Gesetz sind sie auch zur kostenlosen Rücknahme der Druckerpatronen verpflichtet und nehmen diese Verantwortung erfreulich ernst. Daneben sammeln, reinigen und befüllen aber auch Drittanbieter die leeren Originale und verkaufen sie zu günstigen Preisen.

Ein Plus für Umweltschutz und Zuverlässigkeit

Gutes Material, gutes Gewissen: Recycling-Patronen sind in Sachen Umweltverträglichkeit kaum zu toppen. Alle wiederverwendbaren Teile werden ressourcenschonend gereinigt und sind ebenso strengen Normen unterworfen wie Neuteile. Vor allem bei Tintenpatronen mit integriertem Druckkopf ist diese professionelle Reinigung unerlässlich, damit die Tinte wieder reibungslos transportiert werden kann: Ist die erfolgt, funktionieren Recycling-Patronen meist verlässlich und ersparen dem Nutzer viele lästige Fehlermeldungen.

Je älter der Drucker, desto günstiger die Recycling-Patrone

Der Verkaufspreis einer wiederaufbereiteten Tintenpatrone hängt nicht zuletzt vom Drucker ab: Je älter oder beliebter das Modell, desto mehr Patronen existieren, die schon gesammelt und recycelt werden konnten. Das bedeutet aber auch, dass für die allerneuesten Modelle zunächst kaum wiederaufbereitete Patronen erhältlich sind.

Vorsicht, Recycling-Attrappe!

Leider imitieren viele Händler aus dem asiatischen Raum auch Recycling-Produkte. Hier ist erneut der auffallend niedrige Preis ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich nicht um ein recyceltes Original, sondern um ein neu hergestelltes Produkt handelt. Wird Ihnen außerdem eine „recycelte“ Patrone für einen erst kürzlich auf den Markt gebrachten Drucker angeboten, so handelt es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung.

Der Tinten-Mix muss stimmen!

Die Zusammensetzung der Nachfülltinte ist für Recycling-Druckerpatronen ebenso entscheidend wie für nachgebaute. Schlechte UV-Verträglichkeit, mangelnde Wischfestigkeit und vor allem „unechte“ Farben sind ein untrügliches Zeichen für minderwertige Tinte. Ein Tipp: Wer sich einen neuen Drucker anschafft und alternative Tintenpatronen nutzt, sollte gleich zu Beginn eine Testseite mit den Originalfarben drucken und aufbewahren. So kann er später schnell vergleichen, wie nahe die neuen Tintenfarben dem Original kommen.

Tinte abfüllen, Chips montieren? Keine gute Idee!

Ganz Sparsame füllen sich ihre Alternativtinte auch mal selbst in die Patronen – eine Aktion, die bleibende Flecken oder sogar im Drucker auslaufende Tinte nach sich ziehen kann. Ebenso wenig zu empfehlen ist das Montieren des Original-Chips auf die Fremdpatrone: Dann lieber ein paar Euro mehr in eine Alternativpatrone mit „Herkunft“ investieren – oder am besten sofort zu den Recycelten greifen.

Recycling-Patronen sind die beste Alternative - für den Drucker und für die Umwelt

Fakt ist: Garantiert hohe Qualität liefert nur die Originalware. Wer trotzdem sparen will, kann aber die Risiken für seinen Drucker minimieren – recycelte Tintenpatronen sind da eindeutig die sicherste und verantwortungsvollste Alternative. Hier wird sich auch in Zukunft noch viel tun: Die Recyclinganlagen und -prozesse werden kontinuierlich weiterentwickelt und je mehr Kunden auf Recycling setzen, desto günstiger können die Produkte langfristig angeboten werden. Ein guter Deal für Mensch und Umwelt.